Aktuelle Ausgabe

Titelbild 2020-02

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Titelthema: Kraftvolle Vielfalt

Gemeindebrief-Ausgabe 2/2020
(Juni – August 2020)

Liebe Gemeinde,

Mit ungeheurer Wucht hat „Corona“ unseren Alltag verändert: Wir üben uns in social distancing, tragen Mundschutz beim Einkaufen, sehen unsere Enkelkinder, Familien und Freunde nur noch aus der Ferne, und der Urlaub in Italien ist gestrichen.

Gleichzeitig erleben wir in diesen Wochen auch Positives: Eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft, gelebte Rücksicht auf Schwächere. Wir erfahren, wie gut uns die Entschleunigung tut und entdecken dabei neue Wichtigkeiten: Wir brauchen menschlichen Kontakt, Nähe und letztlich die Gemeinschaft.

Vor allem aber bekommen wir in dieser Krise vor Augen geführt, dass „alles mit allem zusammenhängt“. Der Wunsch nach Selbstbestimmtheit kann andere gefährden. Je mehr wir in unberührte Regenwälder vordringen, desto häufiger haben wir Kontakt mit unbekannten Viren und desto kleiner wird auf einmal unser Lebens- und dann unser Handlungsspielraum. Und ganz absurd: Auf einmal macht eine Pandemie angeblich unerreichbare Klimaziele wieder möglich. Und so verbinden sich ökologische Fragen mit gesellschaftlichen und die wiederum mit gesundheitlichen Fragestellungen.

Der Satz „Alles hängt mit allem zusammen“ von Alexander von Humboldt drückt das für mich wunderbar aus. Wir können Probleme nur lösen, wenn wir sie ganzheitlich betrachten. An einzelnen Stellschrauben zu drehen oder Symptomen zu bekämpfen, wird uns nicht dauerhaft weiterbringen. Wir müssen lernen, in Systemen zu denken und uns als Teil eines großen Ganzen zu begreifen.

Das hat für mich auch eine spirituelle Dimension. Wir Menschen sind Teil eines großen Ganzen, einer Schöpfung, die mehr ist als die Summe ihrer Glieder. Weil da noch etwas dazukommt, eine besondere Kraft, ein besonderer Geist. Über diesen Zusammenhang spricht Paulus, wenn er menschliche Gemeinschaft als etwas beschreibt, das aus vielen unterschiedlichen Teilen besteht, und erst durch die spirituelle Verbindung zu einem großen Ganzen wird.

Wir Christen nennen diese Kraft, die alles zusammenhält und zusammenführt, den Heiligen Geist. Und den wünsche ich uns als Kirche aber auch als Gemeinschaft: Den Geist, der kein Geist der Furcht ist, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2 Tim 1,7).

Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Pfarrer Markus Rhinow