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 Cover Titel Gemeindebrief 02-2017

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500 Jahre Reformation: Bleibt alles anders?

Gemeindebrief-Ausgabe 2/2017 (Juni - September 2017)

 

Liebe Gemeinde,

neulich stieg ich in die S-Bahn, da fiel mein Blick auf ein Plakat mit der Aufschrift: „Wir wollen so viel bewegen – warum nicht zuerst uns selbst? Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen. Feiern Sie mit uns 500 Jahre Reformation!“

Mich hat das Bild vom Hamsterrad und der Titel: „Wir wollen so viel bewegen – warum nicht zuerst uns selbst?“ besonders angesprochen. Vielleicht weil mir in letzter Zeit bewusst geworden ist, wie schwer ich aus dem Hamsterrad meiner gewohnten Strukturen, meiner eigenen und der Erwartungen anderer, heraustreten kann, wenn sie mir mehr schaden als nutzen.

Ähnliches erlebe ich auch in unserer Gemeinde und Kirche. Da sind festgefahrene Traditionen, in Stein gemeißelte Lehrmeinungen, die die Gläubigen daran hindern, einen Schritt zur Seite zu treten, die Perspektive zu verändern und sich von ihrem eigenen Standpunkt zu bewegen, um Neues, Heilsames zu entdecken. Aber nur, wenn ich mich selbst bewege, kann ich auch etwas und andere in Bewegung bringen. Das hat uns Martin Luther vorgelebt.

Vor mehr als 500 Jahren ist er aus dem „Hamsterrad“ des von der damaligen Kirche vorgegeben Glaubens an den strafenden Gott, an das Fegefeuer und an den Ablasshandel herausgetreten. Martin Luther hat durch intensives Bibelstudium einen neuen Blick für den gnädigen Gott bekommen, der ihm und durch ihn auch anderen eine ganz „neue Welt“ eröffnet hat.

Seitdem hat unsere evang.-luth. Kirche schon viel bewegt. Viele Mitglieder haben die Welt hinterfragt, sind neue Wege gegangen. Dennoch wird es auch weiterhin nötig sein, dass wir uns als Gemeinschaft der Christen immer wieder neu in Bewegung setzen. Dabei ist jeder und jede gefragt, denn verändern kann ich am besten mich selbst. Im Vertrauen auf Jesus, der gesagt hat: „Siehe, Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 19)

Dann muss ich mich vor der Veränderung nicht fürchten, sondern ich kann mich von seinem Wort leiten lassen und den Menschen den Glauben an den liebenden Gott nahe bringen. So wie es Martin Luther getan hat.

Vertrauen wir darauf, dass diese durch ihn begonnene Reformation weitergeht, indem wir uns von ihr immer wieder neu in Bewegung bringen lassen. Nach dem Motto: „500 Jahre Reformation – alles ist in Bewegung und im Werden“.

Ihre Pfarrerin 
Christine Untch